Offizielle Eröffnungsfeier in Wetzlar

im Kreishaus Wetzlar am 31. Januar 2019

 

In Anwesenheit von Vertretern von Kreis und Stadt Wetzlar sowie von über 40 Trägern aus dem Sozialbereich feierte die „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) Ausblick im Lahn-Dill-Kreis“ auf kreative Weise im Sitzungssaal des Kreishaus ihre Eröffnung.

Das 2018 in Kraft getretene Bundesteilhabegesetz hat das Ziel, Barrieren zu beseitigen und so allen Menschen mit Beeinträchtigungen eine umfassende Teilhabe zu ermöglichen. Um hier eine Anlaufstelle für Betroffene zu schaffen, gibt es seit 2018 in jedem Landkreis eine neue Beratungsstelle, die EUTB (ergänzende unabhängige Teilhabeberatung). Im Lahn-Dill-Kreis übernimmt die EUTB Ausblick diese Aufgabe. Zielgruppe sind alle Menschen mit Behinderung oder drohender Behinderung sowie deren Angehörige.

Landrat Schuster betonte in seinem Grußwort, die Wichtigkeit einer EUTB auf Kreisebene. Der Lahn-Dill-Kreis stehe auch bei den Leistungen für Menschen mit Behinderung zu seiner sozialpolitischen Verantwortung. Sozialdezernent Aurand wies auf die bereits erfolgte Vernetzung mit unterschiedlichen Abteilungen des Lahn-Dill-Kreises seit Oktober 2018 hin. Er sprach der EUTB Ausblick seinen Respekt für die bereits geleistete Arbeit aus und steht einer weiteren Zusammenarbeit sehr positiv gegenüber. Auch Oberbürgermeister Wagner (Stadt Wetzlar) verwies auf die gesellschaftliche Verpflichtung und erinnerte an die Worte des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, dass eine Behinderung jeden Menschen treffen könne. Norbert Schmidt, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Lahn-Dill-Kreises, sprach über den langwierigen und nicht immer einfachen Prozess bis es zur Geburtsstunde der EUTB kam. Er habe es zu Beginn kritisch gesehen, dass ein kleiner Träger wie der Verein Soziale Inklusion e.V. sich dieser großen Aufgabe einer EUTB stellen wollte. Aber die bisher geleistete Arbeit hat ihn inzwischen vom Gegenteil überzeugt und er wünschte der EUTB auch weiterhin viel Erfolg.

Der Verein Soziale Inklusion e.V. als Träger der EUTB existiert seit 2013 und hat das Ziel, Menschen mit Beeinträchtigungen durch individuell zugeschnittene und passgenaue Unterstützungsleistungen eine selbstständige und selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen. Das Besondere an seinem Konzept ist die Ausbildung von Betroffenen zu Genesungsbegleitern welche dann später auch in der Arbeit des Vereins wieder andere Menschen unterstützen und begleiten. Petra Nehl, selbst Genesungsbegleiterin, berichtete aus der praktischen Arbeit.

Rainer Kah, der Vereinsvorsitzende, erläuterte in seinem Vortrag auch die zentrale Bedeutung der Unabhängigkeit. Die Förderrichtlinien des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, welches die Beratungsstellen finanziert, verlangen auch ausdrücklich eine Beratung durch Menschen, die in der gleichen Lebenssituation wie der Beratene selbst sind (Peer-Counseling). Wichtig ist, dass Berater eine Beziehung zu Behinderung haben. Das kann durch eigene persönliche Erfahrung oder auch durch Angehörigenperspektive gegeben sein.

Danach stellte Frau Katja Liebscher, Leiterin der EUTB Ausblick, das Team und dessen Schwerpunkte vor. Das Beraterteam deckt ein breites Spektrum ein Wissen ab. Durch das Team wird so der Ansatz des Peer-Counselings in der täglichen Arbeit der EUTB umgesetzt. “Der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Hintergründen steht im Vordergrund und in zweiter Linie erst die Art der Behinderung.“, so die Leiterin der Teilhabeberatungsstelle. Die EUTB kooperiert sowohl mit Experten aus der Trägerlandschaft als auch mit Experten aus der Betroffenenperspektive zusammen. Ein Beispiel für letzteres ist Michel Schmidt, selbst körperbehindert und auf einen Rollstuhl angewiesen. Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen, die er beim Auszug aus der elterlichen Wohnung in eine eigene machte, gründete er das Projekt „Von Handicap zu Handicap“. Dies ist ein Beispiel dafür, wie  EUTB Ausblick in Zukunft als Netzwerk im Auftrag für die Betroffenen tätig sein will.

Impulsvorträge durch zwei Peer-Berater der EUTB Ausblick (Dina Schönenberg und Peter Ludt) vermittelten eindringlich und authentisch aus der Betroffenenperspektive was Teilhabe am Leben und in der Gesellschaft bedeutet. Das Publikum war sichtlich beeindruckt von der offenen und ehrlichen Ausführungen aus der Betroffenensicht.

Zum Abschluss der Veranstaltung fand ein „interaktives Netzwerk“ auf kreative Art und Weise statt. Jeder Träger wurde aktiv in EUTB Ausblick Netzwerk „mit Wollknäueln“ eingespannt. Sinnbildlich und im übertragenen Sinn, dass jeder im Netzwerk zum Wohle der Betroffenen die Arbeit der EUTB Ausblick unterstützt.

 

Erste Reaktionen der Teilnehmer nach der Eröffnungsveranstaltung sprachen von einer informativ und professionell ausgerichteten Veranstaltung, die sich von den sonst manchmal „drögen“ Eröffnungsveranstaltungen positiv abhob. Eine Besucherin sagte:“ Es war informativ, kreativ, wertschätzend und netzwerkend-richtig gut“.